1
28. Aug 2018, Standort | Maritimes Cluster

An der Nordseeküste in Bremerhaven steht die Green Economy im Mittelpunkt Teil 1

Schweizer Kundinnen und Kunden ticken anders: Für den Schweizer Markt wird die Rezeptur verändert.
«Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen», hat einmal der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt gesagt. Auf Ralf Forner trifft das nicht zu. Der Geschäftsleiter von Transgourmet Seafood hatte vor gut zehn Jahren zwar eine Vision, aber er hat sie Realität werden lassen und das gleichnamige Unternehmen im Bremerhavener Fischereihafen gegründet – als Kompetenzzentrum des führenden Spezialisten Transgourmet Deutschland für die Zustellung und der Firma Selgros für die Abholung.
«Hier schlägt das Herz der europäischen Fischindustrie. Wenn man in den Fischhandel einsteigen will – wo sonst, wenn nicht hier?», sagt der 55-Jährige. Seine Firma beschäftigt heute 70 Mitarbeitende und bewegt jährlich mehr als 10.000 Tonnen Fisch. Als Teil von Transgourmet Deutschland und der Coop Schweiz schickt der Händler einen beträchtlichen Teil seiner Ware über die Grenze. Sein Fazit: Die Schweizer sind anders.
«Das ist aber durchweg positiv gemeint», lacht Ralf Forner. Der sympathische Geschäftsmann lebt für den Fisch und das in allen Varianten. «Es gibt eigentlich kein Produkt, das wir für den Verkauf in der Schweiz nicht irgendwie verändern», sagt er. Mal weniger Schärfe, mal eine andere Marinade, mal weniger Rauchgeschmack – das könne alles sein. Was genau, das findet Transgourmet Seafood gemeinsam mit den Kollegen von Bell Seafood – dem Schweizer Pendant zu Transgourmet Seafood Deutschland – im Vorfeld der Produktion durch Geschmackstests und Kundenbefragungen heraus. Aber eines steht für den gelernten Diplom-Kaufmann generell fest: «Die Schweizer mögen es nicht ganz so fischig.»
Im Ergebnis sind Räucherlachs und Garnelen im Stück oder als Salat zwei der Hauptprodukte, die in der Schweiz verkauft werden. Der Schwarze Heilbutt oder die geräucherte Sprotte sind ebenfalls ganz oben auf der Bestellliste. Aber auch andere Meeres- und Schalentiere stehen bei Transgourmet Seafood für die eidgenössischen Kunden auf dem Programm. Weltweit hat Transgourmet Seafood in den vergangenen zehn Jahren ein Netzwerk von rund 120 Zulieferern und Produzenten aufgebaut. Das reicht von Alaska und Island über Norwegen, Dänemark und Polen bis nach Asien oder auch Australien.
Grosses Nachhaltigkeitsbewusstsein in der Schweiz
«Wir haben mehr als 2.200 verschiedene Produkte im Programm. Das geht vom Frischfisch über Räucherfisch und Marinaden bis zur Fischfeinkost, zu Schalen- und Krustentieren und Tiefkühlfisch», schildert Ralf Forner. Die Ware wird in Bremerhaven in dem 4.500 Quadratmeter grossen Firmengebäude versandfertig verpackt und von hier aus per LKW verschickt. Ein ganz wesentlicher Ansatz von Transgourmet Seafood ist dabei die Nachhaltigkeit der Produkte und des Rohstoffes Fisch. Das gilt vor allem für die Produkte, die in die Schweiz geliefert werden. Ralf Forner: «Das Umweltbewusstsein der Kunden dort ist grösser als in anderen europäischen Ländern und sie zahlen auch gern den entsprechenden Preis dafür. Die Umweltschutz-Organisation WWF hat zudem einen genauen Blick auf die importierte Ware.» Der Grund dafür ist einfach und steht gleichzeitig für das gesellschaftlich verankerte Nachhaltigkeitsdenken in der Schweiz: Der WWF ist eine Schweizer Stiftung.
Gut 25 Prozent des jährlichen Fischumsatzes stammen bei Transgourmet Seafood inzwischen aus nachhaltigen Quellen. Dabei geht es um Zertifizierungen wie das blaue MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) als privater Organisation oder auch das türkise ASC-Siegel für die verantwortungsvolle Aquakultur (Aquaculture Stewardship Council). «Wir haben unter dem Titel »Ursprung« aber auch eine eigene Nachhaltigkeitsmarke gegründet. Dazu gehören zum Beispiel Welse, Forellen oder Felchen (Maränen) aus nachhaltiger Aquakultur und andere Süsswasserfische wie Hecht, Karpfen oder Barsche aus nachhaltiger Binnenfischerei in Deutschland», schildert Ralf Forner. Im Jahr 2017 hat Transgourmet Seafood rund 12.300 Tonnen Fisch als Frisch- und Tiefkühlware gehandelt. Das Beschaffungsvolumen lag bei rund 100 Millionen Euro.
 



Immer erstklassig informiert

Melden Sie sich für den Newsletter der Handelskammer Deutschland-Schweiz an.