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25. Sep 2018, Wirtschaft | Netzwerk

Sondertischkreis am 31. Mai 2018 beim CERN in Genf

Wie funktioniert das Universum? Woraus besteht Materie? Diese und viele andere Fragen rund um das Universum und der Teilchenphysik versucht das CERN1 seit 1954 zu beantworten. In diesem Sinne folgte der Sondertischkreis am 31. Mai 2018 morgens der Einladung von Ralf Bopp, Direktor der Handelskammer Deutschland-Schweiz, und machte sich auf dem Weg in den Kanton Genf.
In Meyrin befindet sich sowohl auf schweizerischem als auch auf französischem Boden das Gelände einer der grössten Forschungseinrichtungen der Welt, das CERN. Nach Abholung von einem vom CERN gesandten Bus ging es los Richtung IdeaSquare. Dort erhielten die Teilnehmenden eine kurze Einführung von Sascha Schmeling, zuständig für International Relations, über das CERN und im Speziellen einen Einblick über die heutigen Entwicklungen. Das CERN ist zwar allgemein bekannt als Forschungsinstitut auf dem Gebiet der Teilchenphysik, doch sind die Themengebiete heute viel weitreichender. So verwirklicht der IdeaSquare, wie der Name schon andeutet, Ideen, welche Lösungen für gesellschaftliche Problemstellungen bieten, wie beispielsweise die bessere Integration blinder Menschen in unserer Gesellschaft. Ebenfalls entwickelt das CERN Technologien für den Bereich der medizinischen Anwendungen insbesondere für Hadronentherapien und für die Bildgebung z.B. durch vom CERN entwickelte Scanner. Nach zwei spannen-den Vorträgen im IdeaSquare ging es für die Teilnehmenden mit dem Bus weiter zum SM 18 Gebäude. In diesen Hallen werden die Teilchenbeschleuniger entwickelt. Nach der Ankunft wurden die Teilnehmenden von drei versierten Physikern empfangen, auf die der 25-köpfige Sondertischkreis aufgeteilt wurde. Danach folgte eine kurze Führung durch das Gebäude mit verschiedenen Stopps, an welchen die unterschiedlichen Teile eines Beschleunigers ausgestellt waren und umfassende Erläuterungen seitens der Physiker folgten. So wurde deutlich, dass die Beschleuniger industriell hergestellt werden und sich die Physiker und Ingenieure immer wieder an den Grenzen des Machbaren bewegen.
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Enorme Fortschritte im Bereich der Datenspeicherung und -analyse
Nach dem leckeren Mittagessen und einem Glas Wein trafen sich die Teilnehmenden mit dem ILO (Industrial Liaison Officer) für Deutschland und dem Einkauf des CERNs. Das etwa 20-minütige Gespräch traf auf grosses Interesse bei den Teilnehmenden, die sich aktiv mit einer lebhaften Fragerunde beteiligten. Der ILO, welcher nicht am CERN angestellt ist, sondern im Auftrag des BMBFs2 tätig ist, hat einen weiten Tätigkeitsbereich wie unter anderem die Beratung der deutschen Delegierten im CERN Finanzausschuss. «In der Regel wird ein langjähriger CERN Mitarbeiter nach dem Ausscheiden im Ruhestand zum ILO, dieser ist somit nicht mehr angestellt, hat jedoch viele Jahre Erfahrung und, sehr wichtig, viele Kontakte. Der ILO von Deutschland ist die Verbindungsstelle zwischen dem CERN, der deutschen Industrie, Hochschulen/Institute, BMBF Bonn und der Delegierten des FC am CERN.» erläutert Friedrich Haug, seit Januar 2018 ILO für Deutschland.
Am letzten Halt des Tages folgte für die Teilnehmenden im Data Center ein Kurzfilm über eine Kollision von Teilchen während eines Experimentes im Atlas Beschleuniger. Die Anlagen des CERNs produzieren während solcher Experimente unzählige Mengen an Daten. Diese müssen nicht nur erfasst, sondern auch analysiert werden. Die Analyse der Daten zeigt eindrucksvoll die enormen Fortschritte der letzten Jahre. «Es brauchte für die Analyse der Daten eines Jahres in den Anfängen vom CERN noch 70 Millionen Jahre, 2014 brauchte es für die gleiche Datenmenge nur noch ein Jahr und heute etwa nur noch ein halbes Jahr» berichtete Sascha Schmeling. Auch die Speicherung von Daten hatte eine erhebliche Entwicklung von den nostalgischen 1970er Festplatten zu der heutigen Cloud-Lösung gemacht. Die Cloud ist neben dem Internet eine weitere Erfindung des CERNS, welche kommerziell von grosser Gewichtung ist. Diese musste extra entwickelt werden um den Zugang zu den Daten für alle Mitarbeiter weltweit zu ermöglichen. Mit dieser spannenden Erkenntnis und vielen neuen Eindrücken rund um das CERN ging es am späten Nachmittag retour Richtung Zürich.
 
1vormals Conseil européen pour la recherche nucléaire, heute European Organization for Nuclear Research bzw. Organisation européenne pour la re-cherche nucléaire
2Bundesministerium für Bildung und Forschung
 
Text: Amelie Schenck
Fotos: Selina Villiger
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