auticon-IT-Berater arbeiten mit Coaches von auticon bei Kunden
3. Nov 2020, Wirtschaft | Innovation

Innovationsökosystem macht Wirtschaftsraum Zürich zum Magneten für Unternehmen

Wettbewerb belebt das Geschäft – auch im Wirtschaftsraum Zürich. Doch hier hat sich in den letzten Jahren ein sehr fruchtbares Ökosystem entwickelt, dass auf Kooperation basiert und offen für neue Partner ist. Denn Innovationen entstehen meist dort, wo Branchen- oder Unternehmensgrenzen überschritten werden. 

Ökosystem erleichtert den Start

Von diesem Umfeld profitieren gerade auch internationale Unternehmen. Auf der einen Seite gleisen hier Konzerne mit Partnern innovative Pilotprojekte auf und rollen sie dann an anderen Standorten der Welt aus. Auf der anderen Seite fällt es cleveren ausländischen Unternehmen leicht, im offenen Ökosystem des Wirtschaftsraums anzudocken. 

Das kann Markus Weber von der deutschen IT-Beratung auticon GmbH nur bestätigen. Er hat 2018 auticon Schweiz in Zürich eröffnet – als erstes Unternehmen des Landes, das ausschliesslich Menschen im Autismus-Spektrum als IT-Consultants beschäftigt. «Schweizer Unternehmen sind innovativ und offen gegenüber neuen Konzepten – deshalb spielt das Land eine wichtige Rolle in unserer internationalen Strategie», sagt Weber. Und im IT-Hotspot Zürich ist der Start hervorragend gelungen. Heute ist Weber für die Expansion des Start-ups zuständig – insgesamt ist auticon heute in acht Ländern aktiv. In der Schweiz führt Stephan Gutzwiller die Geschäfte weiter und plant bis Ende Jahr eine Verdopplung der Beschäftigten auf 25 Experten sowie zwei neue Schweizer Standorte. 

GZA verzeichnet Ansiedlungserfolge
In den letzten zehn Jahren wurden mithilfe der GZA und ihren Partnern 1'058 Unternehmen im Wirtschaftsraum Zürich angesiedelt, was zu knapp 9'269 Vollzeitstellen und mehr als 360 Millionen Franken an zusätzlichen Steuereinnahmen führte. Somit brachte jeder für Standortmarketing ausgegebene Steuerfranken rund 6 Franken an neuen Steuererträgen. Der grösste Mehrwert aber liegt in der gesteigerten Innovationskraft, internationalen Vernetzung und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts.
 
Die Stabilität und Resilienz der Greater Zurich Area beweist sich auch während der Corona-Krise. Die Region bleibt weiterhin attraktiv für expandierende Unternehmen und beliebt als internationaler Hauptsitz von Unternehmen wie ABB, Siemens, IKEA, Unilever, Garmin oder Johnson & Johnson. Während Investitionen von Risikokapital in Europa gesunken sind, zeigt sich in Zürich laut einer Analyse ein gänzlich anderes Bild. So sind hier die Investitionen in den ersten neun Monaten des Jahres um 98 Prozent gestiegen.
Partner bringen weiter

Für auticon war der Start deshalb so erfreulich, weil es starke Partner unter Versicherungen, Banken und anderen Finanzdienstleistern gab. Laut Gutzwiller ist in der Schweizer Finanzindustrie die Sensibilität für das Diversity-Thema sehr gross. Zudem häufen sich hier spezialisierte Anwendungen mit grossen Datenreihen, für die Maschinen nur zum Teil die Antwort sind. Gutzwiller sagt: «Oft geht es zwar um repetitive, aber dennoch enorm komplexe Aufgaben, die nach dem aktuellen Stand der Technologie nur Menschen sortieren und bearbeiten können.» Ein Phänomen, das beim weltweit zweitgrössten Rückversicherer Swiss Re gut bekannt ist. So hat das Unternehmen als erstes in der Schweiz einen auticon-Experten eingesetzt. Mit Erfolg: Unter anderem durch das Engagement und die Fähigkeiten des neuen Teammitglieds konnte ein Projekt in Richtung Künstliche Intelligenz grosse Fortschritte machen. 

Grossunternehmen einbeziehen

Bezeichnenderweise nahm auticon zu Beginn Sitz direkt in einem der Zentren der neuen Netzwerkökonomie: im Zürcher Impact Hub. Auf mehrere Orte verteilt, ist dies seit Gründung 2011 weit mehr als ein Coworking-Space, sondern eine Gemeinschaft, die sich Lösungen für eine bessere Zukunft verschrieben hat. Der Impact Hub Zürich war der erste Schweizer Ableger des internationalen Impact-Hub-Netzwerks und ist mit heute rund tausend Mitgliedern der grösste des Landes. Schon früh kooperierte der Impact Hub Zürich mit Grossunternehmen wie Swisscom, Credit Suisse, SIX und Migros. 

Laut der Wirtschaftswissenschaftlerin Nina Geilinger von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) ist das ein Erfolgskonzept. Grossunternehmen miteinzubeziehen, ermögliche neue Interaktionen zwischen den Akteuren und Industrien im Ökosystem. Sie sagt: «Es setzt auf die wirtschaftlichen Stärken des Standortes und forciert nicht neue, kleinere in sich geschlossene Ökosysteme.»

Im Wirtschaftsraum Zürich institutionalisiert sich das kooperative Ökosystem zusehends. Zu beobachten ist das auch im Fintech-Bereich, laut Geilinger ein wichtiger Innovationstreiber. Unter anderem öffneten 2019 mit F10 und Chainwork zwei Akteure in Zürich neue Räumlichkeiten, in denen neben Arbeitsplätzen ein potentes Netzwerk im Bereich Fintech beziehungsweise Blockchain geboten wird. F10 konnte zum Beispiel Corporate-Partner wie Baloise, Raiffeisen und Generali gewinnen.

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In Technoparks finden Ideen einen Markt

In diesem System ist immer die Nähe zu Forschung und Entwicklung wichtig und im Wirtschaftsraum Zürich beflügeln sich Unternehmergeist und wissenschaftliche Erkenntnisse seit vielen Jahren. Einen Ort gibt es hierfür seit 1993, als der Technopark Zürich eingeweiht wurde. Privatunternehmen hatten ein Gebäude mit 47’000 Quadratmetern finanziert, damit Hightech-Ideen aus der Forschung ihren Weg in den Markt finden – natürlich in enger Anbindung an die ETH und Universität Zürich (UZH). Hier arbeiten Experten für rund 250 Unternehmen unterschiedlicher Bereiche direkt nebeneinander und tauschen sich aus. Heute ist eine Allianz erwachsen mit insgesamt sieben Technoparks – allesamt Hightech-Epizentren. Mit dem Technopark Zürich, Winterthur, Tessin und dem Bio-Technopark Schlieren befindet sich über die Hälfte im Wirtschaftsraum Zürich. 

Hochschulen auf Top-Niveau

Bei den Hochschulen ist die Region in einer absoluten Spitzenposition. Laut internationaler Rankings verbessert sich dieser Ruf sogar: 2020 überholte die ETH Zürich die Universität Cambridge und gilt nun als sechsbeste Hochschule der Welt. Zudem legen ETH und UZH grossen Wert auf Wissenstransfer. 2019 entstanden an der ETH 30 Spin-offs, die erfolgreiche Vorbilder haben. Etwa das ETH-Spin-off GetYourGuide hat im letzten Jahr vor Börsengang über eine Milliarde Franken Marktwert erreicht. Und diese Unternehmen bereichern das Ökosystem oft über lange Zeit. So ist GetYourGuide in Berlin domiziliert, setzt aber stark auf den IT-Standort Zürich, weil sich laut der Gründer hier die besten Informatik-Fachkräfte finden. 

Digitalisierung betrifft alle Branchen

Die ICT-Branche dient letztlich als Transmissionsriemen der Innovation in unterschiedlichen Bereichen. «Die Diversität der ICT-Branche in Zürich macht sie einzigartig», betont die Wissenschaftlerin Geilinger. Angesiedelte Unternehmen wie Google oder Apple bauten hier ihre Forschungsstandorte aus, die Forschung an den Hochschulen sei stark, es entständen immer mehr Start-ups auch in der digitalen Transformation anderer Branchen wie dem Gesundheitswesen oder der Industrie 4.0. In diesem Kontext liessen sich Unternehmen aller Industrien zu Innovationen inspirieren und brächten Digitalisierungsstrategien auf den Weg. 

Es ist der direkte Austausch, durch das ein Ökosystem wie das im Wirtschaftsraum Zürich seine Potenziale entfalten kann. Im internationalen Standortwettbewerb hilft den Unternehmen gerade exzellente lokale Vernetzung, an die Spitze zu kommen und dort zu bestehen.




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