Berufliche Integration und das Prinzip Hoffnung (3/3)
25. Aug 2016, Finanzen | Case Management

Berufliche Integration und das Prinzip Hoffnung (3/3)

Die Systemteilnehmer bleiben ihren Anreizstrukturen treu. Patienten sind eben immer auch Kunden. Und wer sägt schon am Ast, auf dem er sitzt?

Die asymmetrische Verteilung des Risikos wirkt hierbei verstärkend. Dem behandelnden Arzt obliegt nämlich die alleinige Definitionsmacht, ohne dass er sowohl finanzielle wie auch berufliche Konsequenzen zu tragen hat. Jeder Arbeitgeber weiss ein Lied davon zu singen. Und weshalb von Gerichten das Attest der behandelnden Ärzteschaft nicht ebenso als «einseitige Parteienmeinung» qualifiziert wird, sondern lediglich die Versicherungsgutachten, will sich dem gesunden Menschenverstand nicht so richtig erschliessen.

Die Kontextfaktoren für berufliche Integration sind also alles andere als einfach. Jeder, der selber schon Integrationsprozesse begleitet hat, weiss, dass sich die Rückkehr ins Berufsleben nicht selten als äusserst schwierig gestaltet und wahre Knochenarbeit bedeutet. Die Case Manager sind fachlich gefordert, und sie brauchen viel psychologisches Geschick und gute Menschenkenntnis.

Wir stellen häufig fest, dass die meisten Arbeitgeber froh sind, Unterstützung in diesen oft schwierigen und spannungsbeladenen Situationen zu erhalten. Auch wenn sich Ärzte punktuell immer wieder sehr kooperativ zeigen; der Regelfall ist es nicht. Ein Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber und auch zu den Versorgern herzustellen, ist ein wichtiges Ziel des Case Managements.

Case Management – besser, als sein Ruf

Dass das Case Management zum Teil einen schlechten Ruf geniesst, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass ein regelrechter Wildwuchs stattfindet. Der Titel ist nicht geschützt und es wird auch effektiv viel Unfug getrieben. Nur gerade vier Versicherer verfügen über das SQS-Label Case Management. Und auch das ist noch keine Garantie dafür, dass die in Hochglanzbroschüren versprochene Professionalität auch geboten wird.

Case Management generiert hohe Kundenzufriedenheit

Aus Befragungen wissen wir, dass die Zufriedenheit des Kunden weniger vom sichtbaren Erfolg eines Eingliederungsprozesses abhängt, als vielmehr von der Begleitung sowie dem gezeigten Kommunikationsverhalten. Letztlich ist das auch der Grund dafür, weshalb weiterhin auf das Instrument Case Management gesetzt wird.

Die Zufriedenheit der Kunden ist genauso viel wert, wie die vermeintlich messbaren Leistungskosten. Case Management zu betreiben heisst auch, sich systemisch sinnvoll zu verhalten und die volkswirtschaftlichen Effekte nicht völlig aus den Augen zu verlieren. Berufliche Integration geht uns alle an. Denn Desintegration kostet Private, Firmen und auch die öffentliche Hand gleichermassen Unsummen. So leistet die CSS auch als Arbeitgeber einen Beitrag und bietet Menschen immer wieder eine Chance, sich im Berufsleben neu zu positionieren. Einige packen die Chance, die Mehrheit nicht.

Denn wahr ist leider auch, dass zu viele Systemteilnehmer noch immer am «Kranksein» verdienen. Jemandem die Arbeitsfähigkeit abzusprechen, ist eine an sich unhaltbare Selektionsdiagnostik und tangiert die individuelle Integrität des Einzelnen in schwerwiegender Art und Weise. Das ist nicht hinnehmbar.

>> Zu Teil 1 der Artikelreihe:  Berufliche Integration und das Prinzip Hoffnung (1/3)
>> Zu Teil 2 der Artikelreihe:  Berufliche Integration und das Prinzip Hoffnung (2/3)

(Bildquelle: © PeopleImages/iStockphoto)




Immer erstklassig informiert

Melden Sie sich für den Newsletter der Handelskammer Deutschland-Schweiz an.