Handelskammerjournal Unternehmen Zukunft
31. Jan 2017, Wirtschaft | Unternehmen 4.0

Unternehmen Zukunft: Transformation trifft Tradition (1/2)

In Sachen Digitalisierung ist das Silicon Valley ein Vorbild für europäische Unternehmen. Trotzdem müssen Unternehmer aus Deutschland und der Schweiz eigene Wege gehen. Die Initiative UnternehmerPerspektiven der Commerzbank verhilft mit Studien zum Erfolg im digitalen Wandel.

Europäische Alternative zum Silicon Valley

Das Silicon Valley hat auf Start-up-Unternehmer die gleiche magische Wirkung wie Disneyland auf Kinder: Hier werden Träume Wirklichkeit. Im Silicon Valley brauchen junge Gründer keinen festen Arbeitsplatz, sie entwickeln ihr Geschäftsmodell mit einem MacBook im Café an der Ecke. Hier, am bedeutendsten IT-Standort der Welt, entsteht die Zukunft. Mit Apple, Google oder Tesla sitzen hier nicht nur die weltweit innovativsten Unternehmen, sondern mit Uber, AirBnB oder Palantir auch die teuersten Start-ups. Kein Wunder, dass Schweizer und deutsche Unternehmen ins Silicon Valley blicken, wenn es um Innovationen, Digitalisierung und neue Arbeitswelten geht.

Gemeinsam weiterdenken

Experten warnen immer wieder, dass europäische Unternehmen das Silicon Valley nicht kopieren sollten. Es braucht eigene, europäische Lösungen, die zur hiesigen Wirtschaftsstruktur passen. Doch klar ist auch: Digitalisierung ist kein Thema, dessen Potenziale sich innerhalb nationaler Grenzen ausschöpfen lassen oder dessen Herausforderungen von ein paar Unternehmen allein bewältigt werden können. Das bestätigt auch die aktuelle Studie der Initiative UnternehmerPerspektiven der Commerzbank: Die Schlagwörter Kooperation und Vernetzung prägen die Unternehmenskultur 4.0 – sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland – und sind der Schlüssel zum Erfolg im digitalen Wandel. 

Studien zeigen Umbruchstimmung

Der Name der Initiative ist Programm: Die UnternehmerPerspektiven greifen Themen auf, die Unternehmen aktuell bewegen. Im vergangenen Jahr gingen die UnternehmerPerspektiven der technologischen Seite der Digitalisierung auf den Grund. Ein zentrales Ergebnis: Die digitale Transformation kann nur Digitalisierung erfordert Flexibilität und Offenheit für Kooperationen. gelingen, wenn die Unternehmer schnell, flexibel und offen für Kooperationen sind.

Diese Erkenntnis hat die Initiative zum Anlass genommen, in der aktuellen Studie den Menschen im digitalen Wandel in den Fokus zu nehmen. Dazu wurde sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland eine repräsentative Stichprobe von Unternehmern und Managern befragt – passend zum Thema mit einem Blick über den nationalen Tellerrand zu den Nachbarn aus Deutschland bzw. der Schweiz. «Unternehmen Zukunft: Transformation trifft Tradition», so der aktuelle Titel der vierten Studie, die die Commerzbank im Sommer 2016 in der Schweiz durchführte. 

Erfolgreiche Digitalisierung fängt im Kopf an

Ob die Transformation gelingt, ist eine Frage des Mindsets. Und das stimmt offenbar bei Schweizer Unternehmern. Zweiundvierzig Prozent der Befragen – die sogenannten digitalen Transformatoren – nutzen digitale Technologien wie folgt:

  • Verbesserung des laufenden Geschäfts und Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen
  • Erschliessung neuer Absatzwege oder Vertriebsformen
  • Vernetzung der gesamten Wertschöpfungskette vorantreiben

Damit sind Schweizer Unternehmen den Deutschen deutlich voraus: Gerade einmal siebenundzwanzig Prozent der Unternehmen in der deutschen Vergleichsstichprobe setzen vollumfänglich auf Digitalisierung.

Digitaler Wandel braucht Struktur

Unternehmen, die stärker auf digitale Technologien setzen, brauchen dafür die passenden Arbeitsstrukturen und Spezialisten. Mitarbeiter müssen flexibler planen können – externe Unterstützung durch Spezialisten darf kein Tabu sein. Teamwork gewinnt ausserdem an Bedeutung intern durch abteilungsübergreifende Teams, extern durch engere Zusammenarbeit mit Kunden und Geschäftspartnern. 

Digitalisierung ist Chefsache

Digitalisierung verstärkt das ohnehin schon hohe Interesse an Weiterbildung und Qualifizierung. Auch die Erwartungen an die technische Ausstattung des eigenen Arbeitsplatzes und an den Informationsfluss über die strategische Ausrichtung werden höher. Die Ansprüche an Work-Life-Balance steigen genauso wie der Wunsch nach Freiräumen zur Umsetzung eigener Ideen.

Aufgabe des Chefs ist es, sich mit all diesen Anforderungen zu beschäftigen – und gelegentlich auch mit Veränderungsblockaden. Digitaler Wandel muss Chefsache sein und verändert die Unternehmenskultur. Das Wichtigste dabei: die neue Kultur vorleben.

Die Unternehmer sagen selbst, dass sie mit mehr Kooperation statt Kontrolle, mit mehr Moderation statt Expertentum und mit mehr Kompetenz statt Hierarchie die digitale Transformation bewältigen wollen. Dieses Umdenken hat in vielen Unternehmen bereits begonnen – und nicht nur bei den besonders digitalen Unternehmen.

>> zum 2. Teil der Artikelreihe «Unternehmen Zukunft: Transformation trifft Tradition» 

(Bildquelle: © monkeybusinessimages/iStockphoto)



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